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Zwischen Bullen, Biogas und edlen Bränden

  • Ein Mann steht vor einem Gin-Fass
 
Die Sonne scheint herein und die Luft ist durch die zum Teil offene Bauweise frisch und angenehm. In großen Buchten stehen in kleinen Gruppen die Tiere auf Stroh. Sie gehen regelmäßig zum Futtertrog vorbei oder liegen kauend in einer Ecke und sind insgesamt ruhig und entspannt. "Eine artgerechte Tierhaltung steht bei uns an erster Stelle. Jeder Bulle hat eine vergleichsweise große Fläche von etwa fünf Quadratmetern zur Verfügung", betont Heiner Glitz-Ehringhausen. Ein Roboter fährt vorbei und legt frisches Futter vor. Der Experte erklärt: "Wir haben die Abläufe weitgehend automatisiert.
 
 
Der Futterroboter fährt sechs mal täglich seine Runde. Ein Schieber kommt sechsmal täglich hinter den Boxen entlang und befördert den Mist nach draußen. Das Stroh fällt einmal am Tag von oben in den Stall. Er zeigt auf einen großen Behälter an der Decke, der über Schienen zu allen Boxen gesteuert werden kann. Etwa vier Stunden täglich benötigt er für die Bewirtschaftung des Stalles. "Das ist gut zu schaffen und steht in vernünftiger Relation." Heiner Glitz-Ehringhausen ist mit dem Ergebnis von Automatisation und Rentabilität sehr zufrieden.
 
Im Innenhof blicken wir auf ein gigantisches Futtersilo. Hier lagert ein Großteil der Ernte. "Bei der Bestellung achten wir sehr genau auf eine vernünftige und nachhaltige Fruchtfolge. Mais, Roggen, Weizen, Gerste und Triticale werden im Wechsel angebaut. Das ist eine wichtige Voraussetzung für dauerhaft lebendige Mikroorganismen im Boden und widerstandsfähige Pflanzen. Glyphosat setzen wir beispielsweise hier nicht ein", erläutert der Landwirt. Der Weg führt uns von hieraus direkt zur Biogasanlage.
"Wir betreiben hier eine Kreislaufwirtschaft, ein in sich geschlossenes System", betont Vater Manfred Glitz-Ehringhausen. "Die landwirtschaftlichen Nebenprodukte Gülle und Mist werden hier mit Silo-Mais und Pflanzensilage vergoren. Das dabei entstehende Methangas wird in moderne Blockheizkraftwerke geleitet. Sie produzieren daraus elektrische Energie und Wärme - etwa fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr. "Wir sind absolut energieautark und versorgen zusätzlich noch etwa 1.400 Drei-Personen-Haushalte mit Strom."
 
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Mit der Energie aus den Abgasen der Blockheizkraftwerke wird im Dampferzeuger der nötige Dampf für die Brennerei gewonnen. Mit ihm werden die Destillen betrieben. Stehen die Geräte in der Brennerei still, nutzt der Landwirt den Dampf, um die Gärmasse der Biogasanlage zu trocknen. So reduziert Landwirt Heiner Glitz-Ehringhausen das Volumen und mit den Lagerkapazitäten über den Winter. Erst wenn die Felder befahrbar sind, wird die Masse als wertvoller Dünger ausgebracht. Wir folgen nun dem Dampf in die Brennerei.
 
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Die Renaissance des Korn

Schön warm ist es hier, es riecht nach Brotteig. Hier sind Theres und Georg zu Hause. "Unser Opa hat 1962 hier eine Brennerei aufgebaut", macht Theres einen Ausflug in die Geschichte. Sie blickt zu Vater Manfred hinüber: "Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft waren bei uns schon immer sehr wichtig. Du hast 1990 die ersten Bio-Spirituosen auf den deutschen Markt gebracht. Und dann auch noch auf Dinkelbasis, also der Ursprungsform des Weizens. Das hat vorher auch noch niemand gewagt", lacht die gelernte Modedesignerin. Seit 2012 baut sie zusammen mit ihrem Bruder den Veredelungsbetrieb aus und kümmert sich seitdem um Marketing und Verkauf. Sie freut sich, dass Korn in den angesagten Bars in den Großstädten der Republik wieder gefragt ist: "Der lange zum 'Opa-Getränk' degradierte Schnaps ist wieder in."
 

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Ob Biogasanlage, Stallungen oder Fuhrpark - die Westfälische Provinzial bietet für jeden landwirtschaftlichen Betrieb den passenden Versicherungsschutz.

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Ihr Bruder Georg ist der Brennereimeister. "Wir setzen nur Biogetreide und -früchte von regionalen Zulieferbetrieben ein. Daraus stellen wir einen Rohbrand her, den wir zu Feinbränden destillieren." Er zeigt auf die drei Destillen, aus denen durch einen kleinen Schlauch der glasklare Brand in die Bottiche fließt. "Die Anlagen laufen hier parallel, die kleine dort für Gin, die größere daneben für einen würzigen Roggenbrand und die dritte für einen milden Roggen-Feinbrand." Er legt Wert darauf, dass die Destillation, die ein sehr energieintensiver Prozess ist, in Ruhe stattfindet, damit höchste Qualitäten entstehen können. "Wir müssen nicht auf den Liter Heizöl achten. Mein Bruder sorgt mit seiner Biogasanlage dafür, dass und pro Stunde Energie im Wert von 35 bis 40 Litern Öl zur Verfügung steht. Das ist wirklich klasse.
 
 
Und was nach dem ersten Destillieren von der Maische übrig bleibt, wandert als Futter wieder zurück zu den Tieren." Der Kreis schließt sich. 120 Eichenfässer, gefüllt mit edelsten Ehringhauser Kornbränden, lagern im ehemaligen Kuhstall. "Etwa 80.000 Flaschen wären das", rechnet die Geschäftsführerin vor. "Die Fässer aus amerikanischer Weißeiche oder europäischen Sorten sind zum Teil vorbelegt, mit einem Sherry, Rum oder Bourbon Whiskey. Das ergibt noch einmal zusätzliche Aromen, die im Laufe der Zeit auf das Destillat übergehen. Nach etwa zwei Jahren Lagerzeit beginnen wir mit den ersten Proben am Fass." Vater Manfred wirft anerkennend ein: "Ihr habt einen sensiblen Zugang zum Produkt und seid organoleptisch gut zu Hause. Das ist wahre Kunst."
 


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Lesetipp: „Münster à la carte“

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Text: Döris Röckinghausen
Quellenangabe Fotos: Thomas Klerx