Stürmische Zeiten

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„Meine Eltern und Großeltern haben mir von klein auf eingetrichtert, bei Sturm und Gewitter besonders vorsichtig zu sein“, erinnert sich Hubert Weber aus Dortmund, „mit der Zeit konnte ich damit entspannter umgehen.“ Dann kam Orkantief Friederike. Stundenlang fegte der Sturm am 18. Januar 2018 mit mehr als 200 Stundenkilometern über Dortmund und ganz Europa hinweg. „Meine Frau Petra hatte gerade erst das Arbeitszimmer verlassen, als es dort einen sehr lauten Knall gab“, erinnert sich Weber. Sein vorsichtiger Blick ins Zimmer zeigte: „Das Fenster war zersplittert und auch von dem Laptop, an dem Petra gerade noch gesessen hatte, war nicht mehr viel übrig.“
Friederike hatte das Flachdach des gegenüberliegenden Autohauses abgehoben und mit solcher Wucht gegen die Hausfassade der Webers geschleudert, dass sogar die Terrassentür auf der Hausrückseite dadurch einen Riss bekam. Heute sieht man von den Sturmschäden kaum noch etwas. Fenster, Fassade, Fallrohre, die Mauer im Vorgarten und ein zwölf meterlanger schmiedeeiserner Gartenzaun sind repariert. Die beiden beschädigten Bäume auf dem Grundstück wurden entfernt und die Hainbuchen gestutzt, damit sie bei zukünftigen Stürmen keine Gefahr darstellen. Angst hat Weber aber auch heute nicht, wenn ein Sturm angekündigt wird. „Mit dem Schrecken von Friederike konnten wir ganz gut umgehen“, meint er rückblickend, “wir hatten ja Glück, dass nichts wirklich Schlimmes passiert ist“.
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Scheunendach einfach angehoben


An den Küsten Schleswig-Holsteins gibt es eigentlich immer Wind. Auch Stürme sind für die Einheimischen nichts Ungewöhnliches. Einen Orkan wie Christian mit Spitzengeschwindigkeiten von 190 Stundenkilometern hat Jan Dreeßen von der Halbinsel Nordstrand jedoch erst dreimal erlebt. 1962 als Schüler, in den 70er Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr und eben am 28. Oktober 2013. „Christian hatte es in sich. Der Sturm änderte immer wieder seine Richtung, eher wie bei einem Tornado“, berichtet Dreeßen. Er stand am Küchenfenster seines Wohnhauses, als der Sturm unter das Dach des angrenzenden Wirtschaftsgebäudes fuhr, es mit Leichtigkeit abhob und etwas versetzt wieder fallen ließ. Dreeßen und seiner Frau Ingeborg passierte zum Glück nichts. Stallungen und Scheune wurden jedoch komplett zerstört.

Schutzengel-Tipp

Nach dem Sturm beginnen die Aufräumarbeiten und das tatsächliche Ausmaß der Schäden wird sichtbar. Von Ihrer Versicherung erhalten Sie finanzielle Unterstützung um Ihr Hab und Gut zu reparieren oder zu ersetzen. Je nach Schaden ist dies die Wohngebäude-, Hausrat- oder Kfz-Versicherung. Sollten durch unsachgemäße Sicherung Ihres Eigentums Schäden bei anderen entstanden sein, greift die private Haftpflichtversicherung.
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Ein älteres Ehepaar steht vor einem Stall
Da die Gebäude des alten Bauernhofes in Form eines Ts angeordnet sind, wurde dadurch auch der Giebel des Wohnhauses geöffnet. „Ändern konnten wir das ja nicht“, erzählt der 70-Jährige ganz pragmatisch, „aber wir wollten zumindest das Wohnhaus retten.“ Kaum flaute der Sturm ab, half ein benachbarter Bauunternehmer den Giebel provisorisch zu schließen - mit Hölzern, Balken und dem großen Profilblech des eingestürzten Stalles. Die Sicherungsmaßnahmen zahlten sich aus. „Ein paar Tage später kam mit Xaver schon der nächste Sturm“, erinnert sich Dreeßen, „der konnte aber kaum noch Schaden anrichten.“
Dienstagabend, 5. Mai 2015: Nur sechs Minuten brauchte ein Tornado der Klasse F3, um eine Schneise der Zerstörung durch die Bützower Innenstadt zu schlagen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 332 Stundenkilometern deckte er in Sekundenschnelle zahlreiche Dächer in der mecklenburgischen Kleinstadt ab, wirbelt Autos durch die Luft und entwurzelt Bäume. Was blieb, waren Szenen wie im Krieg - mit schuttbedeckten Straßen, zerstörten Geschäften und fassungslosen Menschen. „Ein Kollege unseres Bereitschaftsdienstes rief mich an und hat mir wirklich sehr vorsichtig beigebracht, was passiert war und dass man noch nicht einmal mehr in die Stadt kam“, erinnert sich Monika Gräning, Geschäftsführerin der Bützower Wohnungsgesellschaft (BüWo). Telefonisch leitete sie sofort die ersten Maßnahmen in die Wege, damit mit
Sicherungsmaßnahmen und Aufräumarbeiten begonnen werden konnte. Über Umwege kam Gräning am kommenden Tag doch noch bis zum Geschäftsgebäude der BüWo. „Das war auch zerstört und hatte riesige Löcher im Dach“, beschreibt sie den Anblick. Aber das Telefon funktionierte. Während ihre Kollegen in der Stadt unterwegs waren, um sich einen Überblick über die Schäden zu verschaffen und mit Mietern und Eigentümern zu sprechen, übernahm sie die Telefonzentrale und ging zu den Einsatzbesprechungen der Feuerwehr. „Mit hängenden Schultern berichtete mir ein Mann, dass das Dach seines Hauses weggeflogen sei. Der Schock saß tief und so ging es hier vielen Menschen“, erinnert sie sich. Ihr wichtigstes Anliegen: Für die Menschen stark sein und schnell Hilfe organisieren.
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Freiwillige Feuerwehr und THW leisteten in dieser Zeit Großartiges, aber auch die Solidarität der Bützower beeindruckte Gräning: „Da hat wirklich jeder mit angepackt und auch die Provinzial hat schnell reagiert und uns extrem unterstützt. Da war wirklich ein Unterschied zu anderen Versicherern spürbar.“ Da so viele Gebäude im Bestand der BüWo betroffen waren, dauerte es rund zwei Wochen, bis alle notgesichert waren. Alle drängenden Schäden konnten jedoch innerhalb von zwei Monaten repariert werden. Bis wirklich auch die geringeren Schäden beseitigt waren, dauerte es aber noch bis zum Jahresende. Das Ereignis hat Spuren hinterlassen: „Wenn heute Sturm vorgesagt wird, schauen wir immer, wie stark der Wind werden soll und woher er kommt“, berichtet Gräning.


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Risiko für Sturmschäden vermeiden - 5 Tipps

  • Regelmäßig kontrollieren: Bäume gesund, Dächer intakt, Dachrinnen frei?
  • Rechtzeitig informieren: Wetter-Apps, Medien und Internet geben Sturmwarnungen aus.
  • Lieber wegräumen: Gartenmöbel, Sonnenschirme, Kinderspielzeuge, Grill, Deko, Balkonkästen
  • Richtig sichern: Sichtschutzwände, Trampoline, Markisen und Außenrollos
  • An sich und andere denken: Helfen Sie kranken oder pflegebedürftige Nachbarn. Achten Sie auf einen Vorrat an Trinkwasser, Batterien oder Akkus
    für Taschenlampen und Radio. Bleiben Sie wenn möglich zuhause.

Noch mehr Tipps für stürmische Zeiten

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Lesetipp: „Abenteuer für den guten Zweck“

Ohne GPS und Navigationsgerät fuhren Marc Niklas Petersen und Ruwen
Beismann einmal rund um die Ostsee - 7.500 Kilometer in 16 Tagen
durch 10 Länder. Für das Flensburger Katharinen-Hospiz sammelten sie
damit mehr als 4.000 Euro.

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Text: Beatrix Richter
Quellenangabe Fotos: Hauptbühnenbild: Stephan Rohde, Bühnenbilder 1 und 3 "Mit dem Schreck davongekommen": Provinzial, Bühnenbilder 2 und 4 "Mit dem Schreck davongekommen": Thomas Klerx, Bühnenbilder "Scheunendach einfach angehoben": Merle Zeigerer, Bühnenbilder "Ausnahmezustand nach Tornado": Stephan Rohde